Gottesdienst zum 25. April 2021

Pfarrer Dr. Oliver Groll
Pfarrer Dr. Oliver Groll

Wir sind versammelt im Namen Gottes, des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden.“

Mit dem Wochenspruch aus 2. Kor 5 heiße ich Sie herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Jubilate, dem dritten Sonntag nach Ostern.

Nordheim -Altarschmuck - Tulpen

„Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang“  
Von Lied Nr. 455 singen wir die Strophen 1 bis 3

Der Text des Liedes ist leider urheberrechtlich geschützt.

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Den Psalm anhören und mitsprechen

Nordheim Pilgerschatten
NordheimPilgern

Wir beten Psalm 104
– im Gesangbuch finden Sie ihn unter der Nr. 743

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;
du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz schön werde vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
und hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.
Es warten alle auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.
Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
der Herr freue sich seiner Werke!
Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang,
jetzt und immerdar und von Ewigkeit
zu Ewigkeit. Amen, Amen

Das Gebet anhören

Nordheim Pilgern

HERR, unser Gott, wir loben und preisen dich.
Denn du hast alles geschaffen, den Himmel und die Erde.
Aus deiner Hand kommt das Wasser,
kommen die Bäche, die Flüsse, die Meere.
Du hast die Lebewesen gemacht:
die Fische, die Vögel, die Landtiere und uns Menschen.
Alle deine Geschöpfe warten darauf,

dass du ihnen Nahrung gibst zur richtigen Zeit.
HERR, dir wollen wir danken unser Leben lang.
Wir wollen dich preisen, solange wir atmen.
Amen.

„Gott gab uns Atem, damit wir leben“
– vom Lied Nr. 432 singen wir die Strophen 1 bis 3

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben,
er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,

dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehen.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehen.

Nordheim Pilgern
Nordheim Pilgern

Predigt über Apostelgeschichte 17, 22-28a

Liebe Gemeinde! Auch im 21. Jahrhundert ist die Religion nicht totzukriegen. Nein: Religion boomt. Auch wenn heutzutage nicht mehr so viele Leute in den normalen Sonntagsgottesdienst gehen, das Interesse an religiösen Fragen ist ungebrochen. Viele Leute sind da nach wie vor sehr neugierig. Allerdings wollen die Menschen unserer postmodernen Gesellschaft sich möglichst nicht mehr festlegen. Sie wollen ganz unverbindlich alles mal kennenlernen, und vor allem auch möglichst oft etwas Neues erleben. Der heutige Mensch ist ständig auf der Suche, er hat immer Angst, er könne irgendetwas Interessantes verpassen. –

Eigentlich genauso wie damals zur Zeit des Apostels Paulus die Menschen im antiken Athen. Als Paulus in Athen ankam, hat er es sofort gemerkt, dass die Neugier für religiöse Fragen hier so zu sagen in der Luft lag. Und wie ist der Apostel nun mit dieser Situation umgegangen?

Nun: Er hat den Athenern auf dem Areopag, jener berühmten Felskuppe nordwestlich der Akropolis, eine Rede gehalten. Eine rhetorisch brillante Rede, die den Vergleich mit den Reden der zeitgenössischen Philosophen nicht zu scheuen braucht. Aber um es gleich zu sagen; Lukas gibt es in der Apostelgeschichte offen zu: Obwohl viele Athener seiner Rede zugehört haben, war der konkret messbare Erfolg hinterher äußerst bescheiden. Die Massen sind dem Apostel jedenfalls nicht zugeflogen. Lediglich ein paar wenige Menschen konnten in Athen für den christlichen Glauben gewonnen werden. Trotzdem sollten wir, liebe Gemeinde, uns davon nicht entmutigen lassen. Und vor allem sollten wir uns mit den religiösen Fragen, die die Menschen heute beschäftigen, auch wirklich auseinandersetzen. Paulus jedenfalls hat für seine Rede auf dem Areopag ganz bewusst nach einem Anknüpfungspunkt gesucht. Und dieser Anknüpfungspunkt war für ihn schließlich ein Altar, den er auf seinen Streifzügen durch Athen entdeckt hatte; ein Altar, der folgende Aufschrift trug: „Dem unbekannten Gott“. Paulus versuchte also mit den Athenern über etwas ins Gespräch zu kommen, was für sie selbst ein wichtiges Thema zu sein schien: „Der unbekannte Gott“. – Lesen wir nun einen Abschnitt aus der Rede des Apostels; aus Apostelgeschichte 17 die Verse 22-28a

Liebe Gemeinde, genauso ist es. Gott ist nicht fern von uns. Er ist uns viel, viel näher, als wir vielleicht manchmal meinen. Wir heutigen Menschen sind immer auf der Suche nach dem Besonderen, nach dem Spektakulären, und wir merken gar nicht, dass Gott doch schon längst da ist. „In ihm leben, weben und sind wir“, sagt der Apostel. Ja: Wir sind umgeben von der Herrlichkeit Gottes. Wir müssen nur die Augen aufmachen und mit offenen Augen durch diese Welt gehen. Die Welt ist so schön. Gerade jetzt im Frühling, wenn alles wächst und gedeiht, wenn alles so grün und bunt ist. Was für ein herrlicher Gott, der unseren Augen, aber auch unseren Nasen (wenn wir den Geruch der Blumen und Blüten auf uns wirken lassen) und unseren Ohren (wenn wir auf das Gezwitscher der Vögel achten) so viel Schönes schenkt. Mit allen Sinnen können wir die Schönheit seiner Schöpfung erleben. Wir müssen es nur wollen. Wir müssen nur die Schönheit und Erhabenheit der Natur auf uns wirken lassen und dann werden wir es merken, dass der Apostel Recht hat: Der allmächtige Gott lässt sich von uns Menschen nicht einsperren. „Er wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.“ Gott lässt sich von uns Menschen nicht reduzieren: Weder auf ein bestimmtes kirchliches Gebäude noch auf eine bestimmte Stunde am Sonntagvormittag. Gott lässt sich von uns Menschen in keine Schublade stecken. Jede Blume am Wegesrand, jede bunte Wiese, jeder blühende Baum, aber auch jeder Grashalm kann für ihn Zeugnis ablegen, kann uns die Schönheit und die Majestät des Schöpfers vor Augen führen. Gott ist überall, auch in unserem ganz normalen Alltag. Wir müssen die Augen nur aufmachen.

Oder – auch im ganz normalen Alltag; zumindest ab und zu – bewusst atmen. Denn auch unser Atem ist ein Beweis für die Liebe Gottes. Solange wir atmen, sind wir am Leben. Jedes Einatmen und jedes Ausatmen erinnert uns an die Güte des Gottes, der uns dereinst erschaffen hat und der uns bis zum jetzigen Augenblick am Leben erhält. Als Gott der HERR dem Adam, dem Menschen, den Odem des Lebens in seine Nase blies, da ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und wenn er uns eines Tages den Odem wegnimmt – so haben wir es mit den Worten des 104. Psalms vorher gebetet -, dann „vergehen wir und werden wieder Staub“.

Ja, genauso ist es: Das Leben hier auf dieser Erde ist ein Geschenk. Ein Geschenk auf Zeit. Jeder einzelne Atemzug will uns daran erinnern. Wir sind auf dieses Geschenk dringend angewiesen. Wie kleine Kinder. Ein kleines Kind nimmt ja das Geschenk einfach an; ohne immer gleich zu überlegen, wie es sich für dieses Geschenk revanchieren könnte. Aber auch wir Erwachsenen sind doch schlicht und ergreifend Kinder. Kinder Gottes. Wir können und wir brauchen uns nicht immer sofort zu revanchieren. Gott schenkt uns den Atem. Nicht umgekehrt. Wir können Gott nichts schenken. Wir brauchen für ihn und für sein Leben nichts zu tun. Gott ist der Lebendige. Gott atmet, ohne dass wir ihm den Atem schenken könnten oder müssten. Paulus sagt: „Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.“ Ja, das müssen wir hyperaktiven Menschen vielleicht erst wieder lernen, das zu akzeptieren: Dass wir für Gott im Grunde genommen nichts tun können und auch nichts tun müssen. Gott ist der ewige und der lebendige Gott – auch ohne unser Zutun. Nicht wir sind Diener Gottes, sondern Er, Gott, ist ein Diener der Menschen. Das gilt gerade auch dann, wenn wir Gottesdienst feiern. Nicht Gott braucht unsere Gottesdienste, sondern wir brauchen den Gottesdienst. Unsere Seele hat das Bedürfnis, Gottes gutes Wort zu hören und sich dafür zu bedanken. Der Mensch braucht den Gottesdienst; und der Gottesdienst des Menschen sollte sich nicht nur auf eine Stunde am Sonntagvormittag beschränken. An einem jeden Tag in der Woche können und sollen wir Menschen Gott suchen, ob wir ihn wohl fühlen und finden könnten.

Der Liederdichter Gerhard Tersteegen gibt uns dazu eine wunderschöne Anleitung. Tersteegen ist davon überzeugt: „Gott ist gegenwärtig“; nicht nur in der Kirche, sondern überall. Gerade in seiner herrlichen Schöpfung ist der Schöpfer zu fühlen und zu finden: „Luft, die alle füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden. – Du durchdringest alles, lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ Amen.

Predigt vorlesen

Blumenbilder von der Bundesgartenschau Heilbronn
2019

Buga Heilbronn 01
Buga Heilbronn 2
Buga Heilbronn 3
Buga 04
Buga05
Buga6

„Gott ist gegenwärtig“ –
Lied Nr. 165 

1) Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

 

2) Gott ist gegenwärtig,
dem die Cherubinen
Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig!
singen ihm zur Ehre
aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm unsre Stimm,
da auch wir Geringen
unsre Opfer bringen.

 

8) Herr, komm in mir wohnen,
lass mein' Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen,
dich in mir verkläre,
dass ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh,
lass mich dich erblicken
und vor dir mich bücken

Wir beten:

Dank sei dir, du Schöpfer des Lebens.
Luft gabst du uns zum Atmen.
Erwecke unsere Sinne für den Atem des Lebens: Zu nehmen und zu geben, zu schaffen und zu ruhen, zu kommen und zu gehen und aufzuatmen in deiner unendlichen Güte.

Dank sei dir, du Schöpfer des Lebens.
Du gabst uns die Erde zum Leben.
Doch ihr Antlitz ist zerfurcht; tiefe Wunden haben wir ihr geschlagen und nun schlägt sie zurück. Öffne du unsere Herzen und Hände, zu säen die Saat der Gerechtigkeit, zu pflegen das wachsende Leben, zu ernten die Früchte des Friedens.

Dank sei dir, du Schöpfer des Lebens. Die Sonne wärmt uns mit ihren Strahlen. Doch kalt ist es manchmal zwischen uns Menschen. Sende deinen Heiligen Geist und erneuere unsere Liebe.
Schenke uns Nähe und Frieden nach deinem Wohlgefallen.

Dank sei dir, du Schöpfer des Lebens.
Das Wasser erquickt uns mit seiner Frische. Doch Müdigkeit breitet sich trotzdem aus; wir brauchen Zuspruch und Hilfe.
Du bist die Quelle des Lebens, dein Reichtum ist unerschöpflich.

Wir beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen. 

Vorlesen

Irland, Westküste
Irland, Westküste

Statt des Nachspiels